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Kunsthistorische Beschreibung
der Pfarrkirche 
St. Korbinian



 

 

Wann genau der Baubeginn der Pfarrkirche war, lässt sich nicht mehr feststellen. Doch finden wir im Gewölbe die Wappen der Haager Herrscher Georg IV, Leonhard II, Hans VI und Sigmund, woraus wir schließen können, dass diese zumindest mit der Bauvorbereitung (Planung und Finanzierung) zu tun hatten. Hans VI von Haag regierte bis 1476, also könnte die Bauplanung soweit zurückreichen. Um 1500 dürfte der Bau begonnen worden sein, als gotische Hallenkirche, dreischiffiges Langhaus mit vier Jochen. Die nördlichen Langhausmauern zeigten bei der Renovierung 1976 unter dem Putz die alten romanischen Mauern und Fenster, die kleiner und niedriger waren, als bei der heutigen gotischen Kirche. Auch war die alte romanische Kirche schmäler und kleiner, als die heutige.

Die gotischen Seitenschiffe sind am Beginn des Chores geradlinig abgeschlossen. Der Chor ist breiter als das Mittelschiff, er hat zwei Langjoche und schließt mit fünf Acheckseiten ab. Turm und Sakristei befinden sich an der Südseite des Chores. In Fensterhöhe befinden sich Wandpfeiler und Schildbögen mit abgefasten Kanten. Die drei Kirchenschiffe sind gleich hoch und durch hohe runde Säulen getrennt, aus welchen die Scheidbögen wie die Rippen des Sterngewölbes herauswachsen. An den Wandpfeiler befinden sich profilierte Kragsteine, auf welchen die Gewölberippen ruhen. Im Presbyterium sind den Pfeilern runde Dienste vorgelegt, aus welchen die Rippen des Netzgewölbes ohne Kapitelle herauswachsen. An der Südseite zwischen Chor und Turm eine Grafenempore. Eine Treppe führt in der Mauerdicke zur Läutstube. Die Chorfenster sind dreiteilig breit und mit gutem Masswerk.
 
Im Langhaus ein strahlenförmiges Sterngewölbe, im Chor ein Netzgewölbe, jeweils mit Schlusssteinen. Darin dargestellt die bischöflichen Schutzpatrone St. Korbinian (Freising) und St. Wolfgang (Regensburg). Ferner die Hoheitswappen: Deutsches Reich Doppeladler, Grafschaft Haag und die Wappen Haager Gräfinnen: Aichperg, Pappenheim, Falkenstein, Leuchtenberg, Massenhausen. Im Langhausgewölbe befinden sich zudem noch drei Schlusssteine mit kirchlichen Symbolen, ein Papstwappen und das neue Gemeindewappen von Rechtmehring.
 
Nach einer Jahreszahl „1516“ am Chorbogen zu schließen,  wird die Kirche in diesem Jahr geweiht worden sein. Dies muss jedoch nicht bedeuten, dass sie zur Gänze vollendet war, vermutlich erst 1519, worauf eine zweite Jahrzahl mit Meisterzeichen hinter dem Altar hinweist. Kurz nach der Fertigstellung erhielt die Kirche eine Ergänzung im neuen Renaissance-Stil: zwei kleine Kunstglasfenster, das eine stellt Anna Selbdritt dar mit der Aufschrift: „Das Glas haben lassen machen etliche geschlossene Personen 1520“. Auf dem anderen Glasbild ist St. Korbinian mit Bischofstab und Bären dargestellt, mit der Aufschrift: „Das Glas hat lassen machen die gantz Gemain anno domini 1520“. Beide Glasaufträge deuten darauf hin, dass damals in Rechtmehring ein gewisser Wohlstand geherrscht haben muss. 
 
Der Turm war in der Gotik spitz, abgebildet auf Apians Landtafel. Im Sommer 1617 hat ein über das Haager Land ziehendes „Hochwetter“ am Turm und an den Fenstern großen Schaden angerichtet. Vermutlich wurde daher ein Satteldach errichtet. Im Jahre 1680 wurde dann der Kirchturm von der Haager Zimmerei Hittsberger um 109 Gulden mit einer Zwiebel versehen. Außerdem wurde erstmals in Rechtmehring eine Kirchturmuhr eingebaut.
Im Jahre 1702 wurden, vielleicht infolge der Kriegsplünderungen, zwei neue Seitenaltäre im Barockstil angeschafft: St. Sebastian und St. Anna. Anstelle des alten gotischen Hochaltars stand seit dem Dreißigjährigen Krieg ein Portatile (Tragealtar). Um 1800 wurde ein Rokoko-Altar eingebaut; er wurde 1884 wieder abgebrochen.
 
Um 1770 erhielt die Kirche erstmals eine Orgel, sie wurde vom Kloster Attel angekauft. 1860 wurde eine neue Orgel eingebaut, von Orgelbaumeister Christian Müller aus Tuntenhausen. Durch Ignaz Weise aus Plattling kam 1912 wieder eine neue Orgel nach Rechtmehring, die 1982 generalüberholt und teilweise erneuert wurde.
 
Das Langhaus wurde 1888 um ein Joch verlängert und eine Vorhalle angebaut. Seit 1892 wurde die Kirche von der Münchner Werkstatt Johann Marggraff neugotisch ausgestattet, vor allem Altäre, Kanzel und acht Kirchenfenster. An der Nordseite des Presbyteriums wurde bereits 1886 ein Altar der Schmerzhaften Muttergottes mit Kreuzgruppe aufgestellt. Hervorzuheben ist, dass die in den Altären befindlichen neugotischen Figuren von hervorragender Qualität sind: St. Korbinian, St. Wolfgang, St. Erasmus, Schmerzhafte Muttergottes, St. Josef, St. Florian, St. Nikolaus, St. Barbara, St. Elisabeth, St. Monika. Das Altarbild im Hochaltar „Maria Himmelfahrt“ wurde 1854 von dem Maler Anton Rick aus Ebersberg in Öl gemalt. Als Vorbild diente dabei ein Gemälde in der Alten Pinakothek von Guido Reni (1575-1642). An der südlichen Außenwand wurde 1708 ein großes Christophorus-Fresko angebracht. Bei der letzten Renovierung 1981 stellte sich heraus, dass unter diesem Barock-Fresko eine ältere Wandmalerei mit Christophorus vorhanden ist, wahrscheinlich aus dem 16.Jahrhundert. Aus der Barockzeit sind noch zwei sehr gute Heiligenfiguren vorhanden. Die Statue des Hl. Josef mit Lilienstab im Presbyterium könnte von Christian Jorhan sein. 
 
Seit dem Mittelalter hatte die Rechtmehringer Pfarrkirche ein Läutwerk mit drei geweihten Glocken. Seit 1861 sind vier Glocken vorhanden. Im zweiten Weltkrieg mussten 1942 drei dieser Glocken abgeliefert werden. Nur eine einzige kehrte 1949 wieder zurück, die 1672 von Johann Melchior gegossene mit dem Ton „as“. Die anderen drei Glocken wurden 1949 neu gegossen.