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Filialkirche St. Georg in Reit




 
 
Die Kirche von Reit wird erstmals 1524 als Filialkirche der Pfarrei Mehring erwähnt. Das Gebäude ist jedoch wesentlich älter: das romanische Bauwerk stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist zur Gänze mit Ausnahme des Türmchens aus Bruchstein gemauert. Im Dachboden kann man erkennen, daß das Presbyterium ehemals ein Wehrturm war, dessen Balkenlöcher für die Zwischendecken noch vorhanden sind. Dieser Wehrturm wurde beim Umbau zur Kirche St. Georg bis auf Dachhöhe abgetragen. Das Langhaus hatte ursprünglich kein Gewölbe, sondern eine Flachdecke und dürfte ehemals das Hauptgebäude der kleinen Ritterburg gewesen sein. An den Wänden befinden sich romanische Fresken aus der Zeit um 1250 oder früher, die ehedem den Rittersaal schmückten.
Unter dem Haager Grafen Sigmund (1445-1521) wurde aus dem ehemaligen Burggebäude eine Kirche geschaffen und dem heiligen Georg geweiht, der Schutzpatron der Grafschaft Haag war. Es ist möglich, daß die kleine Burg Reit schon im 12.Jahrhundert eine Burgkapelle besaß, die dem Ritterheiligen St. Georg geweiht war. Unter Graf Sigmund wurde auch der gotische Spitzturm aus Backstein aufs Dach gesetzt. Wie die Jahreszahl „1538“ am Chorbogen ausweist, wurde damals das gotische Gewölbe eingezogen und mit herrschaftlichen Wappen der Grafschaft Haag geschmückt. Seither wurde das Bauwerk nicht mehr wesentlich verändert. Die „Sundersdorferische Matrikel des Bisthums Freysing“ vom Jahre 1524 berichtet erstmals von der Filialkirche „S. Georgii in Reut“ (In der Konradinischen Matrikel von 1315 war in Reit noch keine Kirche). Während des Dreißigjährigen Krieges erhielt Reit eine neue frühbarocke Innenausstattung. Der Hochaltar mit den Heiligen St. Georg, St. Katharina und St. Barbara trägt die Jahreszahl 1643. Der Dachstuhl als Stütz- und Sprengwerk stammt aus dem Jahre 1681. Die letzte Kirchenrenovierung 1996-1998 brachte die ursprüngliche Bemalung der Entstehungszeit wieder zur Geltung und darf als gelungenes Werk der Restauratoren angesehen werden.
Baubeschreibung, kunstgeschichtliche Beschreibung:
Die Kirche steht inmitten einer Weiher- und Schilflandschaft, einem Gürtel von Ried, das dem Ort Reit wahrscheinlich seinen Namen gab: Ruit - Ried - Reut - Reit. Das Presbyterium, der ehemalige Bergfried, misst 24 Fuß im Quadrat (7,20 m). Das Langhaus misst genau 50 x 32 Fuß (14,80 x 9,50 m) und besitzt drei Joche, der Chor zwei Joche. Das Türmchen ist als Dachreiter an der Südseite aufgesetzt und ruht auf der Ostwand. Die Langhausmauern besitzen eine Dicke von 1,65 Metern. Das gotische Netzgewölbe mit hohl profilierten Rippen ruht auf abgetreppten Kragsteinen von halbrundem Querschnitt. Die Gewölbeschlußsteine tragen die Wappen des deutschen Reichs, des römisch-deutschen Kaisers, der Grafschaft Haag und der Haager Gräfinnen aus den Geschlechtern Aichperg, Leuchtenberg und Closen.
Der Hochaltar von 1643 ist dem heiligen Georg geweiht, der in vollplastischer großer Figur zwischen zwei rebenumwundenen Säulen zu Fuß den Drachen mit einer Lanze tötet. Die Säulen sind flankiert von der heiligen Katharina mit Rad und Schwert (links) und der heiligen Barbara mit Kelch und Turm (rechts). Die beiden Frauenheiligen tragen Barockkleider mit lebhaftem Faltenwurf und Krönchen auf dem offenen Haupthaar. St. Georg trägt einen Plattenharnisch mit Visierhelm, steht vor einem Rundbogenportal, über dem ein Putto als Konsole den waagrechten Gesimsbalken über den Säulen stützt. Auf dem Sims eine kleine Madonna mit Kind und Apfel unter und vor einer symetrischen Muschel, die nach oben von einem Putto begrenzt wird. Der Altar wird oben in Höhe der Muschel von zwei flankierenden Engeln mit Palmzweig abgeschlossen. Die Seitenaltäre sind jüngeren Datums. Der Kreuzweg in Ölgemälden ist eine gute Arbeit der Nazarenerzeit. Beachtenswert ist das fast lebensgroße Kruzifix im Chorbogen.
Die romanischen Fresken sind im Kirchenraum nicht sichtbar. Sie treten nur oberhalb des Gewölbes im Dachboden zutage und zeigen die Oberteile der mit kräftigem Nimbus gemalten Heiligen, Jesus vor Jerusalem, Jesus als Jüngling, regenschwangere Wolken ergießen sich als Sintflut usw. Die unteren Teile dieser Wandmalereien sind vom Gewölbe verdeckt. Im Emporebereich wurde ein Fresko mit Rötelkonturen teilweise freigelegt und wieder überdeckt, das Teile des Ritterepos Iweinsaga zeigte. Links neben dem Chorbogen war ein Ritter dargestellt, der ebenfalls wieder übertüncht wurde.
Die Sakristei wurde wahrscheinlich schon im 16.Jahrhundert beim Umbau zur Kirche mit hergestellt. Die Eingangstür vom Chorraum hat noch das alte gotische Beschläge und ein altes hölzernes Riegelschloß. Die Kirche hat nur einen Eingang mit romanischem Gewände am Westende der Südseite. Im breiten Gewände waren die Laufkanäle eines Balkenriegels noch sichtbar, ehe sie bei der letzten Renovierung zugemauert wurden, wohl weil sie bei einer Kirche nicht nötig sind. Sie stammten noch aus der Burgenzeit. Ebenfalls von der ursprünglichen Befestigung stammen vermutlich die kleinen, heute zugemauerten Rundbogenfenster, die obergädig im Langhaus unter der Putzschicht sichtbar waren und die zugemauerte Tür im Westgiebel, die heute vom Gewölbe durchschnitten ist. Die kleine Kirche von Reit dient heute als Filiale der Pfarrei Rechtmehring und wird von mehreren Vereinen als Patronatskirche benutzt.