Sie sind hier: Pfarrei >> Filialkirchen >> Marterl, Bildstöcke und Kapellen

Marterl, Bildstöcke und Kapellen



 

 
Im Gemeindegebiet Rechtmehring gibt es zahlreiche Bildstöcke und Wegkreuze, die bei Bauernhöfen, an Wegen oder in den Fluren stehen. Zwei Bildstöcke aus dem Mittelalter fallen darunter auf, weil sie von hohem Alter und besonders künstlerisch gearbeitet sind. Es handelt sich um den Bildstock von Nussbaum und um die so genannte Sandbergsäule. Beide sind aus rotem Marmor gefertigt und ähneln sich in der Ausführung wie in der künstlerischen Qualität. Das steinerne Marterl von Nussbaum ist um 1500 im spätgotischen Stil entstanden, zeigt aber schon den nahenden Renaissance-Stil in den Ädikula-Vertiefungen an. Es hat einen viereckigen Tabernakel mit dachförmigen Abschluss und zeigt im Relief Kreuzigungsszenen. Auf der Vorderseite die Kreuztragung Christi mit einem Legionär in Rundbogen-Ädikula, darüber im Giebeldreieck als Hoheitssymbol den Haager Schimmel (Nussbaum war ausschließlich von Haager Wehrbauern belegt). Die Rückseite zeigt Christus am Kreuz mit zwei Frauen, Maria und Magdalena. Der Lendenschurz im Stile eines fliegenden Bandes. Darüber im Giebeldreieck das Pelikan-Symbol.
 
Die Sandberg-Säule wird manchmal auch als „Pestsäule“ bezeichnet, obwohl bei ihrer Entstehung im Jahre 1523 hier keine Pest grassierte, sondern eine andere Seuche, vermutlich die Ruhr. Darauf weist auch der Schriftverkehr des Grafen Sigmund hin, ohne zu vermerken, um welche Seuche es sich handelte. Die ausgesprochen kunstvolle Säule wurde im Jahre 1523 vom Bauernehepaar Pellauff aus Dankbarkeit wegen einer überstandenen schlimmen Krankheit gestiftet. Die hohe Steinsäule trägt auf einem runden, ausgebauchten Schaft einen dreiseitigen Tabernakel mit drei Reliefs: Kreuzschleppung, Kreuzigung, Vesperbild. Darunter drei Bauernwappen, sowie die Jahreszahl 1523. Seitlich der Wappen in spätgotischen Minuskeln die Inschrift: „wolfgang pellawff - elsbet pellawffin - miserere mei“. Sie stand ursprünglich am Sandberg neben der Strasse, wurde nach einer Restaurierung wegen Gefährdung durch den Verkehr in den neuen Friedhof versetzt. Im zeitlichen Zusammenhang zur Sandbergsäule von 1523 stehen die beiden von der Pfarrgemeinde 1520 gestifteten Renaissance-Glasfenster in der Pfarrkirche, die ebenfalls eine überstandene Krankheit vermuten lassen. An diesen wertvollen Stiftungen kann man erkennen, dass die Bauern unserer Heimat offensichtlich einen gewissen Wohlstand erreicht hatten, der es erlaubte, solche noblen Geschenke an die Kirche und an die Gemeinschaft zu finanzieren. Neben zahlreichen hölzernen Wegkreuzen in den Fluren von Rechtmehring gibt es noch sieben Steinmarterl aus der Barockzeit:
 
• Granitsäule südwestl. von Nußbaum "MR 1785", 130 cm hoch
• Granitsäule am Waldrand bei Dunsern "IHS CSH 1725", 143 cm hoch
• Granitsäule nördl. von Steinweg "1793", 175 cm hoch
• Granitsäule östl. Ortsende von Rechtmehring "1803", 157 cm hoch
• Granitsäule nördl. des Hofes Bierwirt von Schwarzöd "1793"
• Granitsäule an der Strasse nach Leiten "1764", 156 cm hoch
• Granitsäule bei Haunolden "FH 1750" (Ferdinand Haunolder).
 
Eine Seltenheit ist der Viertelstein bei Altrosenberg Flur-Nr.481, etwa 100 cm hoch, mit viereckigem Loch. Er stammte noch aus den Zeiten der Grafschaft Haag, wo hier die Überreste von Gevierteilten ausgestellt wurden. Ein ähnlicher Stein steht bei Reichgreissl Gemarkung Lengmoos. Neben den vier Kirchen sollen hier noch die fünf Kapellen in der Pfarrei erwähnt werden. Die älteste ist wohl die Ottilien-Kapelle von Hochhaus aus dem 17.Jahrhundert mit einer Heilquelle für Augenleiden. Die Kapelle von Tiefenmoos trägt das Datum 1822, wird schon bei der Schlacht von Hohenlinden 1800 erwähnt und wurde 1982 restauriert. Die Kapelle von Hackthal bei der ehemaligen Kirche St. Wolfgang wurde 1995 eingeweiht, nachdem eine ältere dem Straßenneubau weichen musste. Die Kapelle beim Singer von Schleefeld wurde um 1904 errichtet. Die Bruder-Klaus-Kapelle von Freimehring wurde anstelle einer älteren, die dem Strassenbau zum Opfer fiel, 1986 errichtet.